Dekorationsartikel gehören nicht zum Leistungsumfang.
Rendite machen und Gutes tun?
Mikrokredite und die Folgen neoliberaler Entwicklungspolitik
Taschenbuch von Gerhard Klas
Sprache: Deutsch

25,00 €*

inkl. MwSt.

Versandkostenfrei per Post / DHL

Aktuell nicht verfügbar

Kategorien:
Beschreibung
Warum dieses Buch?

»Mikrokredite - die hat doch dieser Inder erfunden, der den Nobelpreis bekommen hat; damit wird armen Frauen geholfen, nicht wahr?« Diesen und ähnlichen Aussagen begegnen wir im Alltag, wenn wir erzählen, dass wir die Struktur und Wirkungsweise der Mikrofinanz untersuchen. Viele Menschen haben von Mikrofinanzen gehört, durch Medienberichte, durch Werbung oder durch ihr Studium - die meisten nur Gutes. Aber Muhammad Yunus ist kein Inder, sondern kommt aus Bangladesch. Er hat Mikrokredite nicht erfunden, die gab es schon vorher. Und so einfach funktioniert die Hilfe für arme Frauen nun auch nicht. Den großen Aufklärungsbedarf erleben wir täglich.Wir geben diesen Band heraus, um ein Gegengewicht zur nach wie vor dominanten Darstellung der Mikrofinanzindustrie in ihren Werbeprospekten, Hochglanzbroschüren und Präsentationsfilmen zu bieten. Ihr Motto: Rendite machen und Gutes tun - mit Krediten Hilfe zur Selbsthilfe leisten und so die Armut in der Welt bekämpfen (beispielhaft: FAZ 2008). Glaubt man den Vertretern des Mikrofinanzsektors, so funktioniert das auch ganz gut. Mikrokredite werden als »Impfung gegen Armut« gepriesen, als »Kredite, die Leben verändern«. Es macht wenig Freude, die Story vom Wundermittel zu entzaubern. Zum Beispiel das immer wieder von Muhammad Yunus erzählte und wahrlich schöne Märchen aus Bangladesch: von Sufiya Begum, seiner ersten Kreditnehmerin, die durch einen kleinen Kredit bescheidenen Wohlstand, Selbstständigkeit und eine bessere Zukunft für ihre Kinder erlangte. Dass sie in Wirklichkeit als bettelarme Frau gestorben ist, hören viele gutmeinende und engagierte Menschen nicht gerne (Heinemann 2010). Sie fühlen sich vor den Kopf gestoßen, weil sie bereits Geld an Organisationen gespendet haben, damit diese es an Arme verleihen; weil sie Anteile bei der christlichen Kreditgenossenschaft Oikocredit erworben haben; weil sie sich ganz allgemein für mehr Entwicklungshilfe durch Kleinkredite einsetzen. Es wäre begrüßenswert, wenn mit der Mikrofinanz ein Schlüssel zur Armutslinderung gefunden worden wäre. Aber selbst mit den besten Vorsätzen kann man Schaden anrichten. Und selbst das schönste Märchen wird nicht dadurch wahr, dass man es immer wieder erzählt.

Wir haben im Laufe unserer Arbeit auch festgestellt, dass wir mit unserer Skepsis und Kritik nicht allein sind. In diesem Sammelband führen wir einige kritische Perspektiven zusammen: von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Belege für die Heilsversprechen der Mikrofinanz suchten, aber keine finden konnten; von Journalistinnen und Journalisten, die bei ihren unabhängigen Recherchen Kreditnehmer trafen, die mit dem Rücken zur Wand standen; von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, die von ihren Einsatzorten zurückkehrten und die Überschuldung armer Frauen durch Mikrokredite gesehen hatten. Diese Erkenntnisse aus Wissenschaft, Journalismus und Praxis werden bis heute von vielen Medien ignoriert und von der Mikrofinanzindustrie und ihren Unterstützern in Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft als »einseitig« und »ideologisch motiviert« gebrandmarkt. Einige kritische Studien werden zwar formal zur Kenntnis genommen, anschließend widmet man sich aber wieder dem business as usual. Das hat beispielsweise Maren Duvendack (in diesem Buch) erlebt: Ihr Auftraggeber, das britische Entwicklungshilfeministerium DfID (Department for International Development), versuchte nicht einmal, die Ergebnisse der von ihr mit anderen Wissenschaftlern erstellten Metastudie bekannt zu machen. Diese Metastudie hatte als erste überhaupt alle bisherigen Forschungsarbeiten zu Mikrofinanzen ausgewertet und war zum ernüchternden Schluss gekommen, dass sich kein systematischer Nutzen für die Armen belegen ließ. In anderen Fällen wurden interne Kritiker im Mikrofinanzsektor, die auf Ausbeutung und Täuschung der Armen wie auch der Investoren hinwiesen, von ihren Arbeitgebern kaltgestellt und gefeuert. Dazu zählt Hugh Sinclair, der, so sagt er, die golde

Warum dieses Buch?

»Mikrokredite - die hat doch dieser Inder erfunden, der den Nobelpreis bekommen hat; damit wird armen Frauen geholfen, nicht wahr?« Diesen und ähnlichen Aussagen begegnen wir im Alltag, wenn wir erzählen, dass wir die Struktur und Wirkungsweise der Mikrofinanz untersuchen. Viele Menschen haben von Mikrofinanzen gehört, durch Medienberichte, durch Werbung oder durch ihr Studium - die meisten nur Gutes. Aber Muhammad Yunus ist kein Inder, sondern kommt aus Bangladesch. Er hat Mikrokredite nicht erfunden, die gab es schon vorher. Und so einfach funktioniert die Hilfe für arme Frauen nun auch nicht. Den großen Aufklärungsbedarf erleben wir täglich.Wir geben diesen Band heraus, um ein Gegengewicht zur nach wie vor dominanten Darstellung der Mikrofinanzindustrie in ihren Werbeprospekten, Hochglanzbroschüren und Präsentationsfilmen zu bieten. Ihr Motto: Rendite machen und Gutes tun - mit Krediten Hilfe zur Selbsthilfe leisten und so die Armut in der Welt bekämpfen (beispielhaft: FAZ 2008). Glaubt man den Vertretern des Mikrofinanzsektors, so funktioniert das auch ganz gut. Mikrokredite werden als »Impfung gegen Armut« gepriesen, als »Kredite, die Leben verändern«. Es macht wenig Freude, die Story vom Wundermittel zu entzaubern. Zum Beispiel das immer wieder von Muhammad Yunus erzählte und wahrlich schöne Märchen aus Bangladesch: von Sufiya Begum, seiner ersten Kreditnehmerin, die durch einen kleinen Kredit bescheidenen Wohlstand, Selbstständigkeit und eine bessere Zukunft für ihre Kinder erlangte. Dass sie in Wirklichkeit als bettelarme Frau gestorben ist, hören viele gutmeinende und engagierte Menschen nicht gerne (Heinemann 2010). Sie fühlen sich vor den Kopf gestoßen, weil sie bereits Geld an Organisationen gespendet haben, damit diese es an Arme verleihen; weil sie Anteile bei der christlichen Kreditgenossenschaft Oikocredit erworben haben; weil sie sich ganz allgemein für mehr Entwicklungshilfe durch Kleinkredite einsetzen. Es wäre begrüßenswert, wenn mit der Mikrofinanz ein Schlüssel zur Armutslinderung gefunden worden wäre. Aber selbst mit den besten Vorsätzen kann man Schaden anrichten. Und selbst das schönste Märchen wird nicht dadurch wahr, dass man es immer wieder erzählt.

Wir haben im Laufe unserer Arbeit auch festgestellt, dass wir mit unserer Skepsis und Kritik nicht allein sind. In diesem Sammelband führen wir einige kritische Perspektiven zusammen: von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Belege für die Heilsversprechen der Mikrofinanz suchten, aber keine finden konnten; von Journalistinnen und Journalisten, die bei ihren unabhängigen Recherchen Kreditnehmer trafen, die mit dem Rücken zur Wand standen; von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, die von ihren Einsatzorten zurückkehrten und die Überschuldung armer Frauen durch Mikrokredite gesehen hatten. Diese Erkenntnisse aus Wissenschaft, Journalismus und Praxis werden bis heute von vielen Medien ignoriert und von der Mikrofinanzindustrie und ihren Unterstützern in Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft als »einseitig« und »ideologisch motiviert« gebrandmarkt. Einige kritische Studien werden zwar formal zur Kenntnis genommen, anschließend widmet man sich aber wieder dem business as usual. Das hat beispielsweise Maren Duvendack (in diesem Buch) erlebt: Ihr Auftraggeber, das britische Entwicklungshilfeministerium DfID (Department for International Development), versuchte nicht einmal, die Ergebnisse der von ihr mit anderen Wissenschaftlern erstellten Metastudie bekannt zu machen. Diese Metastudie hatte als erste überhaupt alle bisherigen Forschungsarbeiten zu Mikrofinanzen ausgewertet und war zum ernüchternden Schluss gekommen, dass sich kein systematischer Nutzen für die Armen belegen ließ. In anderen Fällen wurden interne Kritiker im Mikrofinanzsektor, die auf Ausbeutung und Täuschung der Armen wie auch der Investoren hinwiesen, von ihren Arbeitgebern kaltgestellt und gefeuert. Dazu zählt Hugh Sinclair, der, so sagt er, die golde

Details
Erscheinungsjahr: 2014
Medium: Taschenbuch
Seiten: 217
Inhalt: 217 S.
ISBN-13: 9783593501123
ISBN-10: 3593501120
Sprache: Deutsch
Einband: Kartoniert / Broschiert
Autor: Klas, Gerhard
Mader, Philip
Cramer, Sophia
Degens, Philipp
Duvendack, Maren
Gebauer, Thomas
Güllemann, Heino
Hartmann, Kathrin
Hedrich, Ute
Karadag, Roy
Redaktion: Klas, Gerhard
Mader, Philip
Herausgeber: Gerhard Klas/Philip Mader
Auflage: 1/2014
Besonderheit: Unsere Aufsteiger
campus verlag: Campus Verlag
Maße: 204 x 133 x 14 mm
Von/Mit: Gerhard Klas
Erscheinungsdatum: 08.03.2014
Gewicht: 0,26 kg
preigu-id: 105566366
Details
Erscheinungsjahr: 2014
Medium: Taschenbuch
Seiten: 217
Inhalt: 217 S.
ISBN-13: 9783593501123
ISBN-10: 3593501120
Sprache: Deutsch
Einband: Kartoniert / Broschiert
Autor: Klas, Gerhard
Mader, Philip
Cramer, Sophia
Degens, Philipp
Duvendack, Maren
Gebauer, Thomas
Güllemann, Heino
Hartmann, Kathrin
Hedrich, Ute
Karadag, Roy
Redaktion: Klas, Gerhard
Mader, Philip
Herausgeber: Gerhard Klas/Philip Mader
Auflage: 1/2014
Besonderheit: Unsere Aufsteiger
campus verlag: Campus Verlag
Maße: 204 x 133 x 14 mm
Von/Mit: Gerhard Klas
Erscheinungsdatum: 08.03.2014
Gewicht: 0,26 kg
preigu-id: 105566366
Warnhinweis