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Beschreibung
Im Spiegel betrachtet erkenne ich meinen Körper als blöden Hund. Meine Brustwarzen, die Augen, der Bauch, die stumpfe Schnauze, sein Maul ein 'o', meine Arme, seine Hängeohren. Ich spreche ihn an und sage 'o'. Er antwortet nicht, schaut mich an. Gehe er doch weg, der Hund. Das Amulett, das mich vor dem bösen Blick bewahren sollte, habe ich [...] heiße Herbert und bin Alkoholiker, seit einem Jahr trocken. Ein Jahr, neun Monate. Bald sind es zwei. Bei 'AA' ist alles anonym. Wen du dort gesehen hast und was gesprochen wird, bleibt dort. Selbstmitleid ist untersagt. Das erste Glas lasse ich für heute stehen. Saufkumpanen hatte ich keine. Bei ihnen hätte ich nichts mehr [...] war vorige Woche bei Liz und sie hat mir Sachen gegeben, die sie nicht mehr haben will. Eine Schachtel mit Büchern und Heften meines Bruders Reinhold. Tagebuchaufzeichnungen, Reiseberichte, ein paar Gedichte. Ich habe darin [...] Sommer 2008, als Reinhold, Liz und Max ihren letzten Urlaub in Valun verbrachten, steuerte ich auf meinen Tiefpunkt zu. Im Jänner 2009 ging Reinhold in den Wald, nahm Whisky mit und Schlaftabletten. Ein Arzt erklärte mir: So wie er es angelegt hatte, musste er sanft entschlafen sein. Von der Zeit zwischen Sommer und Winter gibt es keine Aufzeichnungen, nur den Abschiedsbrief an Liz und Max. Sie ließen mich den Brief lesen. Kein Wort war durchgestrichen, kein Buchstaben überschrieben, kein Zeichen verwischt. Der Brief erzählte von seinem Entschluss. Dankes- und Trostworte. Glatt. 'Mein Tod wird angenehm sein. Eine Last von Euch und von mir wird genommen sein. Seid gewiss: Ich hatte ein schönes Leben. Ich umarme Euch.''Du Pfützenschlucker', hatte er zu mir gesagt. Ich habe nie mehr nachgefragt was er damit gemeint hatte. Hätte er 'Arschloch' gesagt, es hätte alles gut werden können. Pfützenschlucker! Wir gingen unsere Wege. Das war vor fünfundzwanzig [...] tue ihm Unrecht. Er kann sich nicht wehren. Reinhold ist nicht mehr. Doch er ist da. Und wie! Ich vergesse ihn am besten. Denk nicht an einen rosaroten Elefanten. Denk nicht an Reinhold. Wie soll das funktionieren? Jetzt hab ich ihn aber in der Wohnung. Eine Schachtel voll [...] den Tagebüchern und Heften hat mein Bruder ekelige Seiten an sich entdeckt. Wenn er sich nicht gerade über seine Chefin oder einen unmöglichen Politiker mokierte, betrachtete er sich und war zerknirscht. Seine Stockzähne mussten abgenutzt sein bis an die Kieferränder. Ich sehe ihn vor mir. Die Muskeln seiner Wangen spielen im Licht. Die Spiegelfläche zwischen den Bartstoppeln hebt und senkt sich. Ständige Knetbewegung zwischen Ohr und Kinn. Wenn er sprach, brachte er kaum den Mund auf. Als ich hörte, dass er bei einem linken Chor zu singen begonnen hatte, konnte ich mir das nicht vorstellen. Parolen brauchen einen offenen Mund. Gesang auch.
Im Spiegel betrachtet erkenne ich meinen Körper als blöden Hund. Meine Brustwarzen, die Augen, der Bauch, die stumpfe Schnauze, sein Maul ein 'o', meine Arme, seine Hängeohren. Ich spreche ihn an und sage 'o'. Er antwortet nicht, schaut mich an. Gehe er doch weg, der Hund. Das Amulett, das mich vor dem bösen Blick bewahren sollte, habe ich [...] heiße Herbert und bin Alkoholiker, seit einem Jahr trocken. Ein Jahr, neun Monate. Bald sind es zwei. Bei 'AA' ist alles anonym. Wen du dort gesehen hast und was gesprochen wird, bleibt dort. Selbstmitleid ist untersagt. Das erste Glas lasse ich für heute stehen. Saufkumpanen hatte ich keine. Bei ihnen hätte ich nichts mehr [...] war vorige Woche bei Liz und sie hat mir Sachen gegeben, die sie nicht mehr haben will. Eine Schachtel mit Büchern und Heften meines Bruders Reinhold. Tagebuchaufzeichnungen, Reiseberichte, ein paar Gedichte. Ich habe darin [...] Sommer 2008, als Reinhold, Liz und Max ihren letzten Urlaub in Valun verbrachten, steuerte ich auf meinen Tiefpunkt zu. Im Jänner 2009 ging Reinhold in den Wald, nahm Whisky mit und Schlaftabletten. Ein Arzt erklärte mir: So wie er es angelegt hatte, musste er sanft entschlafen sein. Von der Zeit zwischen Sommer und Winter gibt es keine Aufzeichnungen, nur den Abschiedsbrief an Liz und Max. Sie ließen mich den Brief lesen. Kein Wort war durchgestrichen, kein Buchstaben überschrieben, kein Zeichen verwischt. Der Brief erzählte von seinem Entschluss. Dankes- und Trostworte. Glatt. 'Mein Tod wird angenehm sein. Eine Last von Euch und von mir wird genommen sein. Seid gewiss: Ich hatte ein schönes Leben. Ich umarme Euch.''Du Pfützenschlucker', hatte er zu mir gesagt. Ich habe nie mehr nachgefragt was er damit gemeint hatte. Hätte er 'Arschloch' gesagt, es hätte alles gut werden können. Pfützenschlucker! Wir gingen unsere Wege. Das war vor fünfundzwanzig [...] tue ihm Unrecht. Er kann sich nicht wehren. Reinhold ist nicht mehr. Doch er ist da. Und wie! Ich vergesse ihn am besten. Denk nicht an einen rosaroten Elefanten. Denk nicht an Reinhold. Wie soll das funktionieren? Jetzt hab ich ihn aber in der Wohnung. Eine Schachtel voll [...] den Tagebüchern und Heften hat mein Bruder ekelige Seiten an sich entdeckt. Wenn er sich nicht gerade über seine Chefin oder einen unmöglichen Politiker mokierte, betrachtete er sich und war zerknirscht. Seine Stockzähne mussten abgenutzt sein bis an die Kieferränder. Ich sehe ihn vor mir. Die Muskeln seiner Wangen spielen im Licht. Die Spiegelfläche zwischen den Bartstoppeln hebt und senkt sich. Ständige Knetbewegung zwischen Ohr und Kinn. Wenn er sprach, brachte er kaum den Mund auf. Als ich hörte, dass er bei einem linken Chor zu singen begonnen hatte, konnte ich mir das nicht vorstellen. Parolen brauchen einen offenen Mund. Gesang auch.
Details
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Belletristik, Romane & Erzählungen
Rubrik: Belletristik
Medium: Buch
Inhalt: 336 S.
ISBN-13: 9783854357551
ISBN-10: 3854357559
Sprache: Deutsch
Einband: Gebunden
Autor: Kraner, Robert
Hersteller: Drava Verlag
Verantwortliche Person für die EU: Drava Verlag, Gabelsbergstr. 5/Ii, A-9020 Klagenfurt / Celovec, office@drava.at
Maße: 211 x 134 x 32 mm
Von/Mit: Robert Kraner
Erscheinungsdatum: 09.03.2015
Gewicht: 0,499 kg
Artikel-ID: 104941304