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Beschreibung
I Einleitung1 Ausgangslage, Fragestellung"Himmelsstürmer sind wieder in", hieß es in der Neuen Zürcher Zeitung anlässlich der Ausstellung "L'invention de la tour européenne" im Pariser Pavillon de l'Arsenal (Zitzmann 2009). Nach wechselhaften Konjunkturen spielt das Hochhaus in heutigen Debatten um Urbanität, Stadtentwicklung und Architektur eine herausragende Rolle, und es prägt unübersehbar das Gesicht der Städte: In den letzten rund 15 Jahren sind weltweit so viele Hochhäuser gebaut worden wie nie zuvor (Museum für Gestaltung Zürich/Janser 2011; Matzig 2017; Wood 2010). Vor allem in Asien - und hier besonders in China sowie in der Golfregion - wachsen Metropolen rasant in die Höhe. Aber auch in Europa, wo mit Ausnahme von Frankfurt am Main Hochhäuser in Stadtzentren lange Zeit weitgehend fehlten und vor allem Kirch- und Rathaustürme sowie Schornsteine vertikale Akzente setzten, mehren sich solche Projekte. Mittlerweile formulieren sogar Kleinstädte in ländlichen Gegenden Hochhauskonzepte und ergreifen Maßnahmen zur Förderung des aufragenden Bautyps (Ackermann [...] Hinwendung zu einer stärkeren Vertikalisierung des Stadtbildes ist jedoch umstritten und konfliktreich. Wie der Bautyp des Hochhauses in europäischen Städten eingesetzt werden kann und soll - darüber gehen die Ansichten stark auseinander. Die Hochhausdebatten drehen sich dabei meist nicht nur um einzelne Bauprojekte, sondern grundsätzlich um Fragen nach 'erstrebenswerter' Urbanität sowie Macht in städtischen Räumen. Das vertikale Bauen involviert Interessenkonflikte und vereint vielfältige Versprechen und Schwierigkeiten: Wenn heute vom Hochhausbau die Rede ist, sind Verweise auf Bevölkerungswachstum und eine zunehmende Urbanisierung des sozialen Lebens meist nicht weit. Durch die Stapelung von Flächen soll zusätzlicher Raum generiert und der "Zersiedelung" (dem "urban sprawl") Einhalt geboten werden. Vertikales Bauen wird gerne als Strategie propagiert, um Grün- und Freiflächen zu bewahren - ein veritables modernistisches Leitmotiv (Fromonot 2008: 16). Im Mittelpunkt solcher Diskussionen stehen vor allem, aber keineswegs ausschließlich, Büro- und Wohnräume. In Brasilien und Israel etwa gibt es Hochhausfriedhöfe, und ausgehend von New York wird seit einiger Zeit über Landwirtschaft im Wolkenkratzer - "vertical farming" - debattiert sowie mit einschlägigen Techniken experimentiert (Despommier 2011; Frazier 2017). Forderungen nach 'effizienter' Nutzung der Bodenfläche durch Hochhäuser werden nicht zuletzt mit Renditefragen verknüpft. Wo es die Bauordnung erlaubt, durch Stapelung von Flächen eine höhere Ausnutzung des Grundstücks zu erreichen, tangiert der Hochhausbau zentral auch ökonomische Interessen (Willis [...] vertikale Bauen weckt zudem in Sachen Visualität Begehrlichkeiten: Stadtregierungen und Unternehmen greifen auf den augenfälligen Baustil zurück, um "Signale" zu senden und prosperierende Urbanität zu inszenieren bzw. zu simulieren (Bodenschatz 2000). Die neueren, für Zentrumslagen entworfenen Projekte sind typischerweise Prestigebauten par excellence. Sie stehen für einen, wie es gerne heißt, "glamourösen" Baustil, der ökonomisches und künstlerisch-architektonisches Kapital fusioniert und meist auch in technischer Hinsicht ambitioniert auftritt (Foster 2011; Peters 2003: 10; Sklair 2010). Offensichtlich verbinden sich mit diesen schillernden Monumenten nicht nur nüchtern-funktionale Anliegen. Gerade wegen ihrer Augenfälligkeit werden Hochhäuser jedoch auch häufig als "Störung" (oder Zumutung) wahrgenommen, zumal im Kontext von historischen Stadtbildern (Glauser 2016; Rodenstein 2006). Die Vorstellung, dass sich Hochhäuser von historischen Monumenten fernhalten sollten, ist keineswegs eine ausschließlich europäische. Wie verschiedene Quellen belegen, sorgten etwa auch in New York Wolkenkratzer in der Nähe von Kirchen für Irritationen. Ein Beispiel hierfür sind die Beschreibungen Henry James' in The American Scene, in denen er beklagt, das
I Einleitung1 Ausgangslage, Fragestellung"Himmelsstürmer sind wieder in", hieß es in der Neuen Zürcher Zeitung anlässlich der Ausstellung "L'invention de la tour européenne" im Pariser Pavillon de l'Arsenal (Zitzmann 2009). Nach wechselhaften Konjunkturen spielt das Hochhaus in heutigen Debatten um Urbanität, Stadtentwicklung und Architektur eine herausragende Rolle, und es prägt unübersehbar das Gesicht der Städte: In den letzten rund 15 Jahren sind weltweit so viele Hochhäuser gebaut worden wie nie zuvor (Museum für Gestaltung Zürich/Janser 2011; Matzig 2017; Wood 2010). Vor allem in Asien - und hier besonders in China sowie in der Golfregion - wachsen Metropolen rasant in die Höhe. Aber auch in Europa, wo mit Ausnahme von Frankfurt am Main Hochhäuser in Stadtzentren lange Zeit weitgehend fehlten und vor allem Kirch- und Rathaustürme sowie Schornsteine vertikale Akzente setzten, mehren sich solche Projekte. Mittlerweile formulieren sogar Kleinstädte in ländlichen Gegenden Hochhauskonzepte und ergreifen Maßnahmen zur Förderung des aufragenden Bautyps (Ackermann [...] Hinwendung zu einer stärkeren Vertikalisierung des Stadtbildes ist jedoch umstritten und konfliktreich. Wie der Bautyp des Hochhauses in europäischen Städten eingesetzt werden kann und soll - darüber gehen die Ansichten stark auseinander. Die Hochhausdebatten drehen sich dabei meist nicht nur um einzelne Bauprojekte, sondern grundsätzlich um Fragen nach 'erstrebenswerter' Urbanität sowie Macht in städtischen Räumen. Das vertikale Bauen involviert Interessenkonflikte und vereint vielfältige Versprechen und Schwierigkeiten: Wenn heute vom Hochhausbau die Rede ist, sind Verweise auf Bevölkerungswachstum und eine zunehmende Urbanisierung des sozialen Lebens meist nicht weit. Durch die Stapelung von Flächen soll zusätzlicher Raum generiert und der "Zersiedelung" (dem "urban sprawl") Einhalt geboten werden. Vertikales Bauen wird gerne als Strategie propagiert, um Grün- und Freiflächen zu bewahren - ein veritables modernistisches Leitmotiv (Fromonot 2008: 16). Im Mittelpunkt solcher Diskussionen stehen vor allem, aber keineswegs ausschließlich, Büro- und Wohnräume. In Brasilien und Israel etwa gibt es Hochhausfriedhöfe, und ausgehend von New York wird seit einiger Zeit über Landwirtschaft im Wolkenkratzer - "vertical farming" - debattiert sowie mit einschlägigen Techniken experimentiert (Despommier 2011; Frazier 2017). Forderungen nach 'effizienter' Nutzung der Bodenfläche durch Hochhäuser werden nicht zuletzt mit Renditefragen verknüpft. Wo es die Bauordnung erlaubt, durch Stapelung von Flächen eine höhere Ausnutzung des Grundstücks zu erreichen, tangiert der Hochhausbau zentral auch ökonomische Interessen (Willis [...] vertikale Bauen weckt zudem in Sachen Visualität Begehrlichkeiten: Stadtregierungen und Unternehmen greifen auf den augenfälligen Baustil zurück, um "Signale" zu senden und prosperierende Urbanität zu inszenieren bzw. zu simulieren (Bodenschatz 2000). Die neueren, für Zentrumslagen entworfenen Projekte sind typischerweise Prestigebauten par excellence. Sie stehen für einen, wie es gerne heißt, "glamourösen" Baustil, der ökonomisches und künstlerisch-architektonisches Kapital fusioniert und meist auch in technischer Hinsicht ambitioniert auftritt (Foster 2011; Peters 2003: 10; Sklair 2010). Offensichtlich verbinden sich mit diesen schillernden Monumenten nicht nur nüchtern-funktionale Anliegen. Gerade wegen ihrer Augenfälligkeit werden Hochhäuser jedoch auch häufig als "Störung" (oder Zumutung) wahrgenommen, zumal im Kontext von historischen Stadtbildern (Glauser 2016; Rodenstein 2006). Die Vorstellung, dass sich Hochhäuser von historischen Monumenten fernhalten sollten, ist keineswegs eine ausschließlich europäische. Wie verschiedene Quellen belegen, sorgten etwa auch in New York Wolkenkratzer in der Nähe von Kirchen für Irritationen. Ein Beispiel hierfür sind die Beschreibungen Henry James' in The American Scene, in denen er beklagt, das
Details
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Recht, Sozialwissenschaften, Wirtschaft
Medium: Taschenbuch
Inhalt: 266 S.
ISBN-13: 9783593508801
ISBN-10: 359350880X
Sprache: Deutsch
Einband: Kartoniert / Broschiert
Autor: Glauser, Andrea
Auflage: 1/2018
Hersteller: Campus Verlag in der Beltz Verlagsgruppe
GmbH & Co. KG
Verantwortliche Person für die EU: Beltz Verlagsgruppe GmbH & Co. KG, Werderstr. 10, D-69469 Weinheim, info@campus.de
Maße: 215 x 142 x 17 mm
Von/Mit: Andrea Glauser
Erscheinungsdatum: 07.06.2018
Gewicht: 0,353 kg
Artikel-ID: 111060822

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