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Beschreibung
Einleitung

Ronald Lutz, Doron Kiesel

Religion war in der öffentlichen Wahrnehmung über einen längeren Zeitraum eine eher randständige Kategorie der politischen Praxis. Doch spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wird das Verhältnis von Religion und Politik neu betrachtet und erscheint inzwischen in einem veränderten Licht. Aktuell scheinen sich Religionen wieder verstärkt im Leben der Menschen auszubreiten und Einfluss auf Politik zu nehmen, wie es die Vielfalt der Publikationen zeigen, die als Sensor einer neuen Aufmerksamkeit zu sehen sind.
Die erkennbare Breite reicht vom wachsenden Fundamentalismus der Weltreligionen, über die weltweite Ausbreitung von Pfingstkirchen und evangelikalen Strömungen bis hin zu neuen religiösen Bewegungen und sogenannten Migrationskirchen. Dabei scheint auch die Einflussnahme auf Politik ein neuerliches Thema der Aufmerksamkeit zu werden, es ist nicht nur der aktuelle Papst Franziskus, der politisch herausfordernde Reden hält und von der Politik als ein Moment der Beunruhigung wahrgenommen wird. Vielleicht war das ja auch nie anders und wird jetzt lediglich neu beleuchtet, aber: "Weltweit nehmen sowohl traditionelle Kirchen wie neue religiöse Bewegungen Einfluss auf die Politik, ein Trend, der sich schon jahrzehntelang angedeutet hat oder vielleicht nie aufgehört hatte" (Riesebrodt: 2007, 252).
Allerdings geschieht dies in unterschiedlicher Intensität und in völlig heterogenen Kontexten und Bezügen, es sind vor allem Legitimitätsverluste politischer Regime (Riesebrodt: 2007, 256) und Folgen von Modernisierungsprozessen (Schmidt: 2013), die das Wachstum und die neuerliche Politisierung der Religionen befördern. Eine vehement und kontrovers geführte Diskussion zum Verhältnis von Moderne und Religion hat völlig neue Themen aufgeworfen (Willems u.a.: 2013). Darin wird vor allem auch die Frage diskutiert, ob Prozesse der Säkularisierung, von Weber einstmals als "Entzauberung" begriffen, tatsächlich zu einem Ver-schwinden der Religion beziehungsweise zu deren "Verbannung" als Zivilreligion in den privaten Bereich beigetragen haben (Beck: 2008; Hinsch: 2013; Pollack: 2013).
Inzwischen gibt es eine Fülle an Positionen, die von dem vielfach diagnostizierten Trend der Moderne zur Säkularisierung abrücken. Religion ist offenkundig noch immer als Idee und Praxis präsent, und das weltweit: "Die erwartete Säkularisierung hat nicht stattgefunden, zumindest hat sie nicht so stattgefunden, wie es weltweit erwartet wurde" (Riesebrodt 2007, 11). Riesebrodt will zwar nicht behaupten, dass Religion ein absolut notwendiger Bestandteil menschlicher Existenz sei, doch ihr Verschwinden sei äußerst unwahrscheinlich (Riesebrodt: 2007, 239).
Schon 2000, und das war noch vor dem 11.09.2001, sprach er angesichts eines wachsenden Fundamentalismus in den Religionen von einer "Rückkehr der Religionen" (Riesebrodt: 2000): Überrascht wären wir, nicht auf eine Revitalisierung vorbereitet, entscheidend sei aber, dass weder eine Entscheidung für noch eine gegen Säkularisierung weiter helfe; vielmehr wäre zu hinterfragen warum beide Prozesse, Säkularisierung und die Persistenz beziehungsweise Verstärkung von Religiosität, gleichzeitig stattfänden und wie sie zusammenhängen könnten.
In der scheinbaren Rückkehr der Religionen bleibt einiges ziemlich unklar: Führte Religion wirklich nur ein Schattendasein und kommt sie nun in ihrer Bedeutsamkeit wieder oder war sie nie "abgetaucht" und wurde lediglich nicht diskursiv in den Blick genommen, da die Säkularisierungsthese dominierte? Und was könnten "Gründe" für die neuerliche Verstärkung der Präsenz von Religion und deren Thematisierung sein? Es soll hier nicht darüber entschieden werden, aber diese Spannung prägt die vorliegenden Diskurse in essenzieller Weise, vor allem hinsichtlich der ungeheuerlichen Herausforderung des Denkens, wie die vielfältigen Prozesse miteinander verflochten sein könnten - gemeint ist eine verstehe
Einleitung

Ronald Lutz, Doron Kiesel

Religion war in der öffentlichen Wahrnehmung über einen längeren Zeitraum eine eher randständige Kategorie der politischen Praxis. Doch spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wird das Verhältnis von Religion und Politik neu betrachtet und erscheint inzwischen in einem veränderten Licht. Aktuell scheinen sich Religionen wieder verstärkt im Leben der Menschen auszubreiten und Einfluss auf Politik zu nehmen, wie es die Vielfalt der Publikationen zeigen, die als Sensor einer neuen Aufmerksamkeit zu sehen sind.
Die erkennbare Breite reicht vom wachsenden Fundamentalismus der Weltreligionen, über die weltweite Ausbreitung von Pfingstkirchen und evangelikalen Strömungen bis hin zu neuen religiösen Bewegungen und sogenannten Migrationskirchen. Dabei scheint auch die Einflussnahme auf Politik ein neuerliches Thema der Aufmerksamkeit zu werden, es ist nicht nur der aktuelle Papst Franziskus, der politisch herausfordernde Reden hält und von der Politik als ein Moment der Beunruhigung wahrgenommen wird. Vielleicht war das ja auch nie anders und wird jetzt lediglich neu beleuchtet, aber: "Weltweit nehmen sowohl traditionelle Kirchen wie neue religiöse Bewegungen Einfluss auf die Politik, ein Trend, der sich schon jahrzehntelang angedeutet hat oder vielleicht nie aufgehört hatte" (Riesebrodt: 2007, 252).
Allerdings geschieht dies in unterschiedlicher Intensität und in völlig heterogenen Kontexten und Bezügen, es sind vor allem Legitimitätsverluste politischer Regime (Riesebrodt: 2007, 256) und Folgen von Modernisierungsprozessen (Schmidt: 2013), die das Wachstum und die neuerliche Politisierung der Religionen befördern. Eine vehement und kontrovers geführte Diskussion zum Verhältnis von Moderne und Religion hat völlig neue Themen aufgeworfen (Willems u.a.: 2013). Darin wird vor allem auch die Frage diskutiert, ob Prozesse der Säkularisierung, von Weber einstmals als "Entzauberung" begriffen, tatsächlich zu einem Ver-schwinden der Religion beziehungsweise zu deren "Verbannung" als Zivilreligion in den privaten Bereich beigetragen haben (Beck: 2008; Hinsch: 2013; Pollack: 2013).
Inzwischen gibt es eine Fülle an Positionen, die von dem vielfach diagnostizierten Trend der Moderne zur Säkularisierung abrücken. Religion ist offenkundig noch immer als Idee und Praxis präsent, und das weltweit: "Die erwartete Säkularisierung hat nicht stattgefunden, zumindest hat sie nicht so stattgefunden, wie es weltweit erwartet wurde" (Riesebrodt 2007, 11). Riesebrodt will zwar nicht behaupten, dass Religion ein absolut notwendiger Bestandteil menschlicher Existenz sei, doch ihr Verschwinden sei äußerst unwahrscheinlich (Riesebrodt: 2007, 239).
Schon 2000, und das war noch vor dem 11.09.2001, sprach er angesichts eines wachsenden Fundamentalismus in den Religionen von einer "Rückkehr der Religionen" (Riesebrodt: 2000): Überrascht wären wir, nicht auf eine Revitalisierung vorbereitet, entscheidend sei aber, dass weder eine Entscheidung für noch eine gegen Säkularisierung weiter helfe; vielmehr wäre zu hinterfragen warum beide Prozesse, Säkularisierung und die Persistenz beziehungsweise Verstärkung von Religiosität, gleichzeitig stattfänden und wie sie zusammenhängen könnten.
In der scheinbaren Rückkehr der Religionen bleibt einiges ziemlich unklar: Führte Religion wirklich nur ein Schattendasein und kommt sie nun in ihrer Bedeutsamkeit wieder oder war sie nie "abgetaucht" und wurde lediglich nicht diskursiv in den Blick genommen, da die Säkularisierungsthese dominierte? Und was könnten "Gründe" für die neuerliche Verstärkung der Präsenz von Religion und deren Thematisierung sein? Es soll hier nicht darüber entschieden werden, aber diese Spannung prägt die vorliegenden Diskurse in essenzieller Weise, vor allem hinsichtlich der ungeheuerlichen Herausforderung des Denkens, wie die vielfältigen Prozesse miteinander verflochten sein könnten - gemeint ist eine verstehe
Details
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Politikwissenschaft & Soziologie, Recht, Sozialwissenschaften, Wirtschaft
Rubrik: Wissenschaften
Medium: Taschenbuch
Inhalt: 468 S.
ISBN-13: 9783593503196
ISBN-10: 3593503190
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback
Autor: Kiesel, Doron
Lutz, Ronald
Redaktion: Kiesel, Doron
Lutz, Ronald
Herausgeber: Doron Kiesel/Ronald Lutz
Auflage: 1/2015
Hersteller: Campus Verlag in der Beltz Verlagsgruppe
GmbH & Co. KG
Verantwortliche Person für die EU: Beltz Verlagsgruppe GmbH & Co. KG, Werderstr. 10, D-69469 Weinheim, info@campus.de
Maße: 214 x 140 x 28 mm
Von/Mit: Doron Kiesel
Erscheinungsdatum: 11.05.2015
Gewicht: 0,588 kg
Artikel-ID: 105018414

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