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Beschreibung
Am 6. August 1515 spielte sich im Kloster der Franziskanerkonventualen St. Martin in Freiburg ein dramatischer Vorgang ab. Der Konvent, der seit seiner Gründung um 1229 fast drei Jahrhunderte lang in der Stadt gewirkt hatte, wurde von einem großen Aufgebot von 27 fremden Ordensbrüdern geistlichen Würdenträgern und städtischen Amtsträgern handstreichartig besetzt, die seine Reform verkündeten. Die dreizehn Priester und neun Novizen wurden vor die Alternative gestellt, sich entweder der Reform anzuschließen oder das Kloster zu verlassen. Der lange Streit zwischen den beiden Ordenszweigen, den traditionellen Konventualen und den Observanten, die für sich in Anspruch nahmen, das Ideal des Ordensgründers und seine Regel authentischer zu leben, führte hier zu einem letzten Höhepunkt vor der endgültigen Trennung der beiden Richtungen 1517. Vorausgegangen war eine fast zwanzigjährige Auseinandersetzung der Konventualen mit den städtischen Autoritäten, bis sich die Letzteren schließlich nach einem monatelangen erbitterten Rechtsstreit mit Hilfe von Papst und Kaiser durchsetzten. Der Konvent gehörte fortan nicht mehr der Straßburger Ordensprovinz, sondern der Oberdeutschen Observantenprovinz an. Der Konflikt beendete nicht nur die Präsenz der Konventualen in St. Martin, sondern auch ihre Memoria, die schriftliche Überlieferung der Namen ihrer Wohltäter und der liturgischen Gebetsverpflichtung. Das pergamentene Anniversar, das den Kalender der jährlichen Fürbitten seit dem Ende des 13. Jahrhunderts festhielt, wurde ausradiert und im Lauf der nächsten hundert Jahre mit neuen Namen überschrieben. Mit Hilfe von UV-Licht lässt sich diese Zerstörung teilweise rückgängig machen, sodass die meisten der getilgten Namen früherer Gönner und Stifter wieder zugänglich werden. Ihre Identifikation lässt ein kohärentes Bild der städtischen und regionalen Schichten erkennen, die dem alten Konvent nahestanden: Es waren vor allem die jeweiligen Eliten, die mit Testamenten und Stiftungen zu seinem Unterhalt beitrugen: Zu Beginn waren es die Adligen und Patrizier, oft aus dem Umfeld der Grafen von Freiburg, im 14. und 15. Jahrhundert die bürgerlichen und zünftischen Eliten. Den reformierten Konvent nach 1515 unterstützten vor allem die akademischen Kreise der jungen Universitäten und die Amtsträger der habsburgischen Landesherrschaft. Die Armen waren in dieser Form des Totengedenkens selten sichtbar.
Am 6. August 1515 spielte sich im Kloster der Franziskanerkonventualen St. Martin in Freiburg ein dramatischer Vorgang ab. Der Konvent, der seit seiner Gründung um 1229 fast drei Jahrhunderte lang in der Stadt gewirkt hatte, wurde von einem großen Aufgebot von 27 fremden Ordensbrüdern geistlichen Würdenträgern und städtischen Amtsträgern handstreichartig besetzt, die seine Reform verkündeten. Die dreizehn Priester und neun Novizen wurden vor die Alternative gestellt, sich entweder der Reform anzuschließen oder das Kloster zu verlassen. Der lange Streit zwischen den beiden Ordenszweigen, den traditionellen Konventualen und den Observanten, die für sich in Anspruch nahmen, das Ideal des Ordensgründers und seine Regel authentischer zu leben, führte hier zu einem letzten Höhepunkt vor der endgültigen Trennung der beiden Richtungen 1517. Vorausgegangen war eine fast zwanzigjährige Auseinandersetzung der Konventualen mit den städtischen Autoritäten, bis sich die Letzteren schließlich nach einem monatelangen erbitterten Rechtsstreit mit Hilfe von Papst und Kaiser durchsetzten. Der Konvent gehörte fortan nicht mehr der Straßburger Ordensprovinz, sondern der Oberdeutschen Observantenprovinz an. Der Konflikt beendete nicht nur die Präsenz der Konventualen in St. Martin, sondern auch ihre Memoria, die schriftliche Überlieferung der Namen ihrer Wohltäter und der liturgischen Gebetsverpflichtung. Das pergamentene Anniversar, das den Kalender der jährlichen Fürbitten seit dem Ende des 13. Jahrhunderts festhielt, wurde ausradiert und im Lauf der nächsten hundert Jahre mit neuen Namen überschrieben. Mit Hilfe von UV-Licht lässt sich diese Zerstörung teilweise rückgängig machen, sodass die meisten der getilgten Namen früherer Gönner und Stifter wieder zugänglich werden. Ihre Identifikation lässt ein kohärentes Bild der städtischen und regionalen Schichten erkennen, die dem alten Konvent nahestanden: Es waren vor allem die jeweiligen Eliten, die mit Testamenten und Stiftungen zu seinem Unterhalt beitrugen: Zu Beginn waren es die Adligen und Patrizier, oft aus dem Umfeld der Grafen von Freiburg, im 14. und 15. Jahrhundert die bürgerlichen und zünftischen Eliten. Den reformierten Konvent nach 1515 unterstützten vor allem die akademischen Kreise der jungen Universitäten und die Amtsträger der habsburgischen Landesherrschaft. Die Armen waren in dieser Form des Totengedenkens selten sichtbar.
Details
Erscheinungsjahr: 2026
Fachbereich: Allgemeines
Genre: Geisteswissenschaften, Geschichte, Kunst, Musik
Rubrik: Geisteswissenschaften
Thema: Lexika
Medium: Buch
Inhalt: 416 S.
ISBN-13: 9783955054625
ISBN-10: 3955054624
Sprache: Deutsch
Einband: Gebunden
Redaktion: Djabbarpour, Mona
Hoffmann, Florian
Küenzlen, Johanne
Kraume, Herbert
Herausgeber: Mona Djabbarpour/Florian Hoffmann/Johanne Küenzlen u a
Hersteller: Regionalkultur Verlag Gmb
Verantwortliche Person für die EU: Verlag Regionalkultur Reiner Schmidt u. Partner, Bahnhofstr. 2, D-76698 Ubstadt-Weiher, kontakt@verlag-regionalkultur.de
Abbildungen: Schwarz-Weiß-Abbildung
Maße: 229 x 160 x 28 mm
Von/Mit: Mona Djabbarpour (u. a.)
Erscheinungsdatum: 17.07.2026
Gewicht: 1,084 kg
Artikel-ID: 135993859

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