Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Beschreibung
"Welchen sozial- und individualpsychologischen Wirkungen und Mechanismen sind die Individuen, die sich in die Politik begeben, ausgesetzt, die für eine Veränderungsabwehr bezüglich des Systems sorgen? Wie Joschka Fischer einst dokumentierte, prägt das Amt den Menschen schneller als der Mensch das Amt. Aber warum ist das so, beziehungsweise wie funktioniert dies?"

"Fragwürdige Verhaltensweisen von Politikern sind eher weitverbreitet denn Ausnahmen. Das Nutzen von dienstlichen Flugbonusmeilen für private Zwecke ist allenfalls ein Kavaliersdelikt, und so durfte Cem Özdemir wenige Jahre später Bundesminister werden. Fragwürdige Doktortitel finden sich regelmäßig, und auch schwarze Koffer haben Wolfgang Schäuble nicht aus der Politik gebracht, sondern ließen ihn Bundestagspräsident werden. Die Förderung des Abbaus von Krankenhausbetten mit Steuermitteln wird ausgeblendet und Nachfragen zu Cum-Ex gebieten sich aktuell gar nicht, obwohl der Hauptverantwortliche gerade Kanzler gewesen ist."

"Es finden allerlei gesellschaftliche Veränderungen statt und doch kann man sich mitunter des Eindruckes nicht erwehren, dass sich gewisse Dinge nie ändern. Große Reformen der Rentenversicherung, der Einkommenssteuer oder der Krankenversicherung werden von einer Regierung zur nächsten verschoben. Basisdemokratische Entwicklungen verbleiben im Wurzelstadium, die Vermögensschere bewegt sich seit Jahrzehnten nur in eine Richtung: auseinander. Denkt man über diese Umstände nach, kommt man nicht umhin, Demokratie als ein Herrschaftssystem zu verstehen, bei dem die Frage, wer herrschend ist, einfach nur verschleierter als in einer Diktatur sein könnte, in der tatsächlichen Antwort aber relativ ähnlich. Denn die heutige Demokratie geht mit kapitalistischer Wirtschaftsordnung einher, über die sich die Interessen der ehemals Herrschenden aus Adelshäusern bewahren und fortsetzen konnten und können. Wie viel Mitsprache dem Volk zu gewähren sei, ist eine alte Frage, die schon von Gründungsvätern der Demokratie schonungslos ehrlich behandelt worden ist. Das Problem ist einfach: Das Volk wird bei größerer Mitsprache die Vermögensverteilung ändern wollen, das aber wollen die Vermögenden nicht. Demokratie ist daher der Versuch, dem Volk mehr Mitsprache zu geben, ohne dass es die Vermögensverteilung nennenswert verändern kann."

"Schlechte Nachrichten bestätigen zwar, dass die aktuelle Lage nicht gut ist und es besser anders wäre, aber sie vermitteln keine Lösungen und wirken so aktivitätshemmend. Die Menschen verbleiben so in dem ihnen bekannten Status quo, mit dem sie zwar unzufrieden sind, in dem sie sich aber eben dennoch eingerichtet haben. Denn wenn man täglich schlechte Meldungen vernimmt, werden diese normal und alltäglich. Und das Bekannte, Normale, Alltägliche wollen Menschen bewahren. Auf diese Weise ermöglichen es die Bad News nicht nur, situativ Themen zur Ablenkung zu setzen oder politische Konkurrenz auszuschalten, sondern auch, ganz generell die Menschen an missliche Lagen zu gewöhnen, sodass diese ihr Glück im Privaten suchen und die Schlechtigkeiten für unveränderlich halten."
"Welchen sozial- und individualpsychologischen Wirkungen und Mechanismen sind die Individuen, die sich in die Politik begeben, ausgesetzt, die für eine Veränderungsabwehr bezüglich des Systems sorgen? Wie Joschka Fischer einst dokumentierte, prägt das Amt den Menschen schneller als der Mensch das Amt. Aber warum ist das so, beziehungsweise wie funktioniert dies?"

"Fragwürdige Verhaltensweisen von Politikern sind eher weitverbreitet denn Ausnahmen. Das Nutzen von dienstlichen Flugbonusmeilen für private Zwecke ist allenfalls ein Kavaliersdelikt, und so durfte Cem Özdemir wenige Jahre später Bundesminister werden. Fragwürdige Doktortitel finden sich regelmäßig, und auch schwarze Koffer haben Wolfgang Schäuble nicht aus der Politik gebracht, sondern ließen ihn Bundestagspräsident werden. Die Förderung des Abbaus von Krankenhausbetten mit Steuermitteln wird ausgeblendet und Nachfragen zu Cum-Ex gebieten sich aktuell gar nicht, obwohl der Hauptverantwortliche gerade Kanzler gewesen ist."

"Es finden allerlei gesellschaftliche Veränderungen statt und doch kann man sich mitunter des Eindruckes nicht erwehren, dass sich gewisse Dinge nie ändern. Große Reformen der Rentenversicherung, der Einkommenssteuer oder der Krankenversicherung werden von einer Regierung zur nächsten verschoben. Basisdemokratische Entwicklungen verbleiben im Wurzelstadium, die Vermögensschere bewegt sich seit Jahrzehnten nur in eine Richtung: auseinander. Denkt man über diese Umstände nach, kommt man nicht umhin, Demokratie als ein Herrschaftssystem zu verstehen, bei dem die Frage, wer herrschend ist, einfach nur verschleierter als in einer Diktatur sein könnte, in der tatsächlichen Antwort aber relativ ähnlich. Denn die heutige Demokratie geht mit kapitalistischer Wirtschaftsordnung einher, über die sich die Interessen der ehemals Herrschenden aus Adelshäusern bewahren und fortsetzen konnten und können. Wie viel Mitsprache dem Volk zu gewähren sei, ist eine alte Frage, die schon von Gründungsvätern der Demokratie schonungslos ehrlich behandelt worden ist. Das Problem ist einfach: Das Volk wird bei größerer Mitsprache die Vermögensverteilung ändern wollen, das aber wollen die Vermögenden nicht. Demokratie ist daher der Versuch, dem Volk mehr Mitsprache zu geben, ohne dass es die Vermögensverteilung nennenswert verändern kann."

"Schlechte Nachrichten bestätigen zwar, dass die aktuelle Lage nicht gut ist und es besser anders wäre, aber sie vermitteln keine Lösungen und wirken so aktivitätshemmend. Die Menschen verbleiben so in dem ihnen bekannten Status quo, mit dem sie zwar unzufrieden sind, in dem sie sich aber eben dennoch eingerichtet haben. Denn wenn man täglich schlechte Meldungen vernimmt, werden diese normal und alltäglich. Und das Bekannte, Normale, Alltägliche wollen Menschen bewahren. Auf diese Weise ermöglichen es die Bad News nicht nur, situativ Themen zur Ablenkung zu setzen oder politische Konkurrenz auszuschalten, sondern auch, ganz generell die Menschen an missliche Lagen zu gewöhnen, sodass diese ihr Glück im Privaten suchen und die Schlechtigkeiten für unveränderlich halten."
Über den Autor
Christian Dewanger, Jahrgang 1974, ist Diplom-Erziehungswissenschaftler, promoviert in Psychologie. Er arbeitet in der Abteilung für Psychologie der Europa-Universität Flensburg und forscht schwerpunktmäßig im Bereich der Identitätspsychologie. Mit "Krise, Identität und Herrschaft" hat er eine entsprechend identitätspsychologische Analyse der Corona-Zeit vorgelegt. Von 2008 bis 2018 war Dewanger als Vertreter einer 2007 gegründeten Wählergemeinschaft Mitglied der Ratsversammlung in Flensburg, die ersten fünf Jahre als Stadtpräsident.
Details
Erscheinungsjahr: 2026
Fachbereich: Populäre Darstellungen
Genre: Politikwissenschaft & Soziologie, Recht, Sozialwissenschaften, Wirtschaft
Rubrik: Wissenschaften
Medium: Taschenbuch
ISBN-13: 9783910568310
ISBN-10: 3910568319
Sprache: Deutsch
Einband: Kartoniert / Broschiert
Autor: Dewanger, Christian
Hersteller: Hintergrund GmbH
Verlag Hintergrund
Verantwortliche Person für die EU: Verlag Hintergrund, Graefenstr. 19, D-10967 Berlin, hom@buchkomplizen.de
Maße: 186 x 115 x 12 mm
Von/Mit: Christian Dewanger
Erscheinungsdatum: 18.05.2026
Gewicht: 0,122 kg
Artikel-ID: 135427159

Ähnliche Produkte

Taschenbuch
Taschenbuch