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Beschreibung
"Diese Studie zur Figur des Beduinen in der arabischen hochsprachlichen Literatur beruht auf einer Dissertation, die Sara Binay (B.) an dem Institut für Orientalistik der Universität Halle-Wittenberg unter der Leitung von Stefan Leder verfasst hat. Sie ist als dritter Band der Reihe "Nomaden und Seßhafte" erschienen, die für den Sonderforschungsbereich "Differenz und Integration" 586 gegründet wurde. Dieser SFB befasst sich seit 2001 "mit den Beziehungen zwischen Nomaden und Seßhaften in Geschichte und Gegenwart". Dort arbeitete B. im Teilprojekt A6 "Das Bild des Beduinen in der arabischen Schriftkultur: Wahrnehmung der Nomadenkultur und des arabischen Erbes im Mittelalter".
Gegenstand der Studie ist ausdrücklich nicht eine anthropologisch-ethnographische Beschreibung des Beduinen als Vertreter einer bestimmten sozioökonomischen Lebensweise, sondern seine Betrachtung als literarische Figur (S. 1).
Die Arbeit beginnt mit einer methodischen Einleitung (S. 1-35), in der die Autorin die wesentlichen Elemente der Diskursanalyse vorstellt und dann erläutert, weshalb und wie sie diesen Ansatz für die Fragestellung fruchtbar machen will. Auch wenn die Diskursanalyse an der Kommunikationsstruktur moderner Gesellschaften orientiert ist, kann er mit gewissen Modifikationen auf historische Diskurse angewendet werden, wie B. unter Anlehnung an M. Schöller betont (S. 4). So begreift sie den Beduinen als wichtiges Kollektivsymbol im Diskurs der arabischen Gelehrten, dessen wichtigste Merkmale Ambiguität und Ikonität sind. Ein Überblick über den Forschungsstand (S. 17-35) zeigt, dass sich diese Arbeit zu recht als Pionierarbeit (so S. 2) begreift, da es keine monographischen Vorarbeiten gibt.
Die Quellenbasis bildet eine Auswahl an hochsprachlichen arabischen Texten verschiedener Gattungen, die mit einer Ausnahme (s. u.) aus dem Zeitraum zwischen dem 9. und dem 12. Jhd. stammen, somit aus der Periode, die gemeinhin als ,klassische Zeit' betrachtet wird. Aufgrund der riesigen Materialfülle erhebt die Autorin keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern beschränkt sich auf ca. 100 repräsentative Texte, die in einem Anhang (S. 195-210) beigefügt sind. Im zweiten Kapitel (S. 37-61) zählt und erläutert sie die Motivik der Figur (u. a. Lebenswelt, Erscheinungsbild, Fähigkeiten, Charakter), welche die Beduinen zu einem wieder erkennbaren Kollektivsymbol macht. Im dritten Kapitel (S. 63-75) stellt B. die Themen/Diskursstränge vor, die dabei bearbeitet werden, wie z. B. die Rolle dieser Figuration für die sich bildende arabische Identität in abbasidischer Zeit, welche sich auf eine vermeintlich beduinische heroische Vergangenheit berief. Besonders hervorzuheben ist auch die gesellschafts- und herrschaftskritische Funktion des Beduinendiskurses. Die beiden letzten Abschnitte widmen sich der Analyse des Beduinen jeweils in der religiösen Literatur (S. 77-125) und in repräsentativen Werken der Adab-Literatur (S. 127-188). Ein Exkurs (S. 189-194) widmet sich schließlich versuchsweise einem Vergleich von Bauer und Beduinen als Symbolfiguren in der arabischen Kultur.
Es ist sehr zu begrüßen, dass dieser wichtigen Fragestellung zum ersten Mal eine monographische Studie gewidmet wird, die auf einer breiten Quellenbasis beruht. Die Arbeit ist klar strukturiert und gibt einen guten Einblick in eine Thematik, die schon aufgrund der schieren Materialfülle - potentiell die gesamte hocharabische Literatur der klassischen Zeit - den Forscher vor sehr große Herausforderungen stellt, was Auswahl und Eingrenzung betrifft, umso mehr, da Vorarbeiten fast gänzlich fehlen. (...)
Alles in allem ist dieses Buch eine eindrucksvolle Pionierarbeit, die allerdings durch eine Begrenzung auf ein klar abgrenzbares Genre an Stringenz gewonnen hätte. Es ist auf jeden Fall zu hoffen, dass es weitere, vertiefende Studien zu dieser Fragestellung anregt, denn ohne Zweifel ist der Beduine, der auch in der romantisierenden europäischen Wahrnehmung den ,echten Araber' darstellt, für die islamisch-arabische Kultur ein wichtiges Kollektivsymbol."

In: Orientalistische Literaturzeitung. 103 (2008). 4-5. S. 590-593.
"Diese Studie zur Figur des Beduinen in der arabischen hochsprachlichen Literatur beruht auf einer Dissertation, die Sara Binay (B.) an dem Institut für Orientalistik der Universität Halle-Wittenberg unter der Leitung von Stefan Leder verfasst hat. Sie ist als dritter Band der Reihe "Nomaden und Seßhafte" erschienen, die für den Sonderforschungsbereich "Differenz und Integration" 586 gegründet wurde. Dieser SFB befasst sich seit 2001 "mit den Beziehungen zwischen Nomaden und Seßhaften in Geschichte und Gegenwart". Dort arbeitete B. im Teilprojekt A6 "Das Bild des Beduinen in der arabischen Schriftkultur: Wahrnehmung der Nomadenkultur und des arabischen Erbes im Mittelalter".
Gegenstand der Studie ist ausdrücklich nicht eine anthropologisch-ethnographische Beschreibung des Beduinen als Vertreter einer bestimmten sozioökonomischen Lebensweise, sondern seine Betrachtung als literarische Figur (S. 1).
Die Arbeit beginnt mit einer methodischen Einleitung (S. 1-35), in der die Autorin die wesentlichen Elemente der Diskursanalyse vorstellt und dann erläutert, weshalb und wie sie diesen Ansatz für die Fragestellung fruchtbar machen will. Auch wenn die Diskursanalyse an der Kommunikationsstruktur moderner Gesellschaften orientiert ist, kann er mit gewissen Modifikationen auf historische Diskurse angewendet werden, wie B. unter Anlehnung an M. Schöller betont (S. 4). So begreift sie den Beduinen als wichtiges Kollektivsymbol im Diskurs der arabischen Gelehrten, dessen wichtigste Merkmale Ambiguität und Ikonität sind. Ein Überblick über den Forschungsstand (S. 17-35) zeigt, dass sich diese Arbeit zu recht als Pionierarbeit (so S. 2) begreift, da es keine monographischen Vorarbeiten gibt.
Die Quellenbasis bildet eine Auswahl an hochsprachlichen arabischen Texten verschiedener Gattungen, die mit einer Ausnahme (s. u.) aus dem Zeitraum zwischen dem 9. und dem 12. Jhd. stammen, somit aus der Periode, die gemeinhin als ,klassische Zeit' betrachtet wird. Aufgrund der riesigen Materialfülle erhebt die Autorin keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern beschränkt sich auf ca. 100 repräsentative Texte, die in einem Anhang (S. 195-210) beigefügt sind. Im zweiten Kapitel (S. 37-61) zählt und erläutert sie die Motivik der Figur (u. a. Lebenswelt, Erscheinungsbild, Fähigkeiten, Charakter), welche die Beduinen zu einem wieder erkennbaren Kollektivsymbol macht. Im dritten Kapitel (S. 63-75) stellt B. die Themen/Diskursstränge vor, die dabei bearbeitet werden, wie z. B. die Rolle dieser Figuration für die sich bildende arabische Identität in abbasidischer Zeit, welche sich auf eine vermeintlich beduinische heroische Vergangenheit berief. Besonders hervorzuheben ist auch die gesellschafts- und herrschaftskritische Funktion des Beduinendiskurses. Die beiden letzten Abschnitte widmen sich der Analyse des Beduinen jeweils in der religiösen Literatur (S. 77-125) und in repräsentativen Werken der Adab-Literatur (S. 127-188). Ein Exkurs (S. 189-194) widmet sich schließlich versuchsweise einem Vergleich von Bauer und Beduinen als Symbolfiguren in der arabischen Kultur.
Es ist sehr zu begrüßen, dass dieser wichtigen Fragestellung zum ersten Mal eine monographische Studie gewidmet wird, die auf einer breiten Quellenbasis beruht. Die Arbeit ist klar strukturiert und gibt einen guten Einblick in eine Thematik, die schon aufgrund der schieren Materialfülle - potentiell die gesamte hocharabische Literatur der klassischen Zeit - den Forscher vor sehr große Herausforderungen stellt, was Auswahl und Eingrenzung betrifft, umso mehr, da Vorarbeiten fast gänzlich fehlen. (...)
Alles in allem ist dieses Buch eine eindrucksvolle Pionierarbeit, die allerdings durch eine Begrenzung auf ein klar abgrenzbares Genre an Stringenz gewonnen hätte. Es ist auf jeden Fall zu hoffen, dass es weitere, vertiefende Studien zu dieser Fragestellung anregt, denn ohne Zweifel ist der Beduine, der auch in der romantisierenden europäischen Wahrnehmung den ,echten Araber' darstellt, für die islamisch-arabische Kultur ein wichtiges Kollektivsymbol."

In: Orientalistische Literaturzeitung. 103 (2008). 4-5. S. 590-593.

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