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Beschreibung
"Dann ist es soweit. Zelda Kowalski schickt sich an, ein Kind in die Welt zu bringen. Sie räumen eine Ecke des Wohnzimmers frei, sodass Dr. Kowalski und seine Schwester Rachel sich ungestört zwischen Wohnzimmer und Küche, wo Ella über große Mengen von kochendem Wasser wacht, bewegen können. Es dauert und dauert. Anscheinend fürchtet das Baby sich davor, die Geborgenheit des Mutterleibs zu verlassen und in die kalte Welt hinauszutreten. Es dauert und dauert. Dr. Kowalski kann nichts tun, um seiner Frau zu helfen, die Schmerzen zu lindern oder die Geburt zu beschleunigen. Er sitzt neben ihrem Bett, hält ihre Hand, streicht ihr den Schweiß von der Stirn und freut sich wie alle, wenn sie vorübergehend in einen leichten Schlummer fällt, aus dem sie dann mit einem Aufschrei erwacht. Wieder Wehen und noch einmal Wehen. Sie wollen nicht aufhören. Am vierten Chanukka-Tag ist es dann endlich soweit: ein Mädchen, ein wunderbar zartgliedriges kleines Mädchen hat sich von seiner Mutter gelöst und kündet seine Ankunft in der Welt mit einem kräftigen Schrei an. Zelda lächelt glücklich, als Dr. Kowalski ihr das Mädchen in die Arme legt. 'Meine Keren, Keren Or, mein Lichtstrahl', flüstert sie leise. 'Das soll ihr Name sein, ja?' Bittend blickt sie ihren Mann an, der sich beeilt, ihrer Bitte zuzustimmen.'Ja, natürlich, Keren, Keren Or soll sie heißen. Das passt genau zu Chanukka. Licht wird sie in die Welt bringen. Licht und Liebe.' Alles scheint in schönster Ordnung, gäbe es da nicht ein Problem: Zelda Kowalski blutet und blutet, sodass Dr. Kowalski ihr untersagt, das Bett zu verlassen. Er erhöht das Fußende und verbraucht Verbandsmaterial am laufenden Meter, das sind die Bettlaken, die Ella in den Schränken findet, alles, um dieses Bluten zu stoppen. Es scheint sich auch zu beruhigen. Zelda stillt ihr Kind, das zwischendurch immer friedlich schläft und nur ganz selten weint. Schon glauben alle, dass die Blutungen aufgehört haben, dass Zelda Kowalski sich von der Entbindung erholt hat. Zum ersten Mal darf sie aufstehen. Nach ein paar Schritten öffnet sich ihr Inneres, und Blut strömt aus ihr heraus wie aus einem offenen Wasserhahn. Er lässt sich nicht wieder zudrehen. Nicht, als Dr. Kowalski sie auf das Bett legt, mit erhöhtem Fußteil und mit Verbandsmaterial. 'Meine Keren! Wo ist meine Keren?' Zelda Kowalski öffnet die Augen und blickt ihr kleines Mädchen an. Dann ist es aus. Behutsam nimmt Rachel Kowalski der toten Frau das kleine Mädchen aus dem Arm und legt es in sein Bett. Dr. Kowalski ist verzweifelt. Seine Zelda, seine Zelda ist tot, unter seinen Händen gestorben, ohne dass er, der bekannte Warschauer Arzt das hätte verhindern können! Stumm und starr sitzt er am Bett seiner toten Frau und bemerkt nicht, was um ihn herum vor sich geht. Rachel Kowalski und Henryk stehen flüsternd in einiger Entfernung vom Bett mit der toten Frau. 'Wir müssen sie beerdigen! So schnell wie möglich!' bestimmt Rachel. 'Die Waschung mache ich zusammen mit Ella.''Aber, sie ist ...', protestiert Henryk.'Wen sonst habe ich? Du kannst mir auf keinen Fall helfen. Du weißt doch: Frauen für Frauen und Männer für Männer. Diese Ehre wollen wir meiner Schwägerin doch erweisen. Zelda wird mir verzeihen, dass ich eine Schickse nehme. Es gibt sonst niemanden.'Henryk geht aus dem Haus, holt sich einen Spaten aus dem kleinen Unterstand und beginnt, in dem gefrorenen Boden am Rand des Hofes ein Grab auszuheben. Rachel nimmt mit Ella die letzte Waschung vor. Als Krankenschwester hat sie mehr als einmal Gelegenheit gehabt zu sehen, wie sie vor sich geht ..."
"Dann ist es soweit. Zelda Kowalski schickt sich an, ein Kind in die Welt zu bringen. Sie räumen eine Ecke des Wohnzimmers frei, sodass Dr. Kowalski und seine Schwester Rachel sich ungestört zwischen Wohnzimmer und Küche, wo Ella über große Mengen von kochendem Wasser wacht, bewegen können. Es dauert und dauert. Anscheinend fürchtet das Baby sich davor, die Geborgenheit des Mutterleibs zu verlassen und in die kalte Welt hinauszutreten. Es dauert und dauert. Dr. Kowalski kann nichts tun, um seiner Frau zu helfen, die Schmerzen zu lindern oder die Geburt zu beschleunigen. Er sitzt neben ihrem Bett, hält ihre Hand, streicht ihr den Schweiß von der Stirn und freut sich wie alle, wenn sie vorübergehend in einen leichten Schlummer fällt, aus dem sie dann mit einem Aufschrei erwacht. Wieder Wehen und noch einmal Wehen. Sie wollen nicht aufhören. Am vierten Chanukka-Tag ist es dann endlich soweit: ein Mädchen, ein wunderbar zartgliedriges kleines Mädchen hat sich von seiner Mutter gelöst und kündet seine Ankunft in der Welt mit einem kräftigen Schrei an. Zelda lächelt glücklich, als Dr. Kowalski ihr das Mädchen in die Arme legt. 'Meine Keren, Keren Or, mein Lichtstrahl', flüstert sie leise. 'Das soll ihr Name sein, ja?' Bittend blickt sie ihren Mann an, der sich beeilt, ihrer Bitte zuzustimmen.'Ja, natürlich, Keren, Keren Or soll sie heißen. Das passt genau zu Chanukka. Licht wird sie in die Welt bringen. Licht und Liebe.' Alles scheint in schönster Ordnung, gäbe es da nicht ein Problem: Zelda Kowalski blutet und blutet, sodass Dr. Kowalski ihr untersagt, das Bett zu verlassen. Er erhöht das Fußende und verbraucht Verbandsmaterial am laufenden Meter, das sind die Bettlaken, die Ella in den Schränken findet, alles, um dieses Bluten zu stoppen. Es scheint sich auch zu beruhigen. Zelda stillt ihr Kind, das zwischendurch immer friedlich schläft und nur ganz selten weint. Schon glauben alle, dass die Blutungen aufgehört haben, dass Zelda Kowalski sich von der Entbindung erholt hat. Zum ersten Mal darf sie aufstehen. Nach ein paar Schritten öffnet sich ihr Inneres, und Blut strömt aus ihr heraus wie aus einem offenen Wasserhahn. Er lässt sich nicht wieder zudrehen. Nicht, als Dr. Kowalski sie auf das Bett legt, mit erhöhtem Fußteil und mit Verbandsmaterial. 'Meine Keren! Wo ist meine Keren?' Zelda Kowalski öffnet die Augen und blickt ihr kleines Mädchen an. Dann ist es aus. Behutsam nimmt Rachel Kowalski der toten Frau das kleine Mädchen aus dem Arm und legt es in sein Bett. Dr. Kowalski ist verzweifelt. Seine Zelda, seine Zelda ist tot, unter seinen Händen gestorben, ohne dass er, der bekannte Warschauer Arzt das hätte verhindern können! Stumm und starr sitzt er am Bett seiner toten Frau und bemerkt nicht, was um ihn herum vor sich geht. Rachel Kowalski und Henryk stehen flüsternd in einiger Entfernung vom Bett mit der toten Frau. 'Wir müssen sie beerdigen! So schnell wie möglich!' bestimmt Rachel. 'Die Waschung mache ich zusammen mit Ella.''Aber, sie ist ...', protestiert Henryk.'Wen sonst habe ich? Du kannst mir auf keinen Fall helfen. Du weißt doch: Frauen für Frauen und Männer für Männer. Diese Ehre wollen wir meiner Schwägerin doch erweisen. Zelda wird mir verzeihen, dass ich eine Schickse nehme. Es gibt sonst niemanden.'Henryk geht aus dem Haus, holt sich einen Spaten aus dem kleinen Unterstand und beginnt, in dem gefrorenen Boden am Rand des Hofes ein Grab auszuheben. Rachel nimmt mit Ella die letzte Waschung vor. Als Krankenschwester hat sie mehr als einmal Gelegenheit gehabt zu sehen, wie sie vor sich geht ..."
Details
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Belletristik, Romane & Erzählungen
Rubrik: Belletristik
Medium: Taschenbuch
Originaltitel: Lechem Oni
Inhalt: 340 S.
ISBN-13: 9783868410341
ISBN-10: 3868410341
Sprache: Deutsch
Einband: Kartoniert / Broschiert
Autor: Kochawi, Rachel
Übersetzung: Miriam Magall
Hersteller: Verlag Edition AV
Dr. Andreas W. Hohmann
Verantwortliche Person für die EU: Verlag Edition AV Dr. Andreas W. Hohmann, Teichstr. 1, D-31162 Bodenburg, editionav@gmx.net
Maße: 206 x 135 x 26 mm
Von/Mit: Rachel Kochawi
Erscheinungsdatum: 07.04.2010
Gewicht: 0,45 kg
Artikel-ID: 101274572